Neue «Popstars» der Schweizer Mobile Banker-Szene

Michael Noorlander und sein Team mischen die Bankenszene auf

Michael Noorlander aus Basel ist einer von vier Gründern von neon. Er hat einen gut dotierten Job bei einer Grossbank aufgegeben um zusammen mit drei anderen Mitstreitern einer Vision zu folgen. Mittlerweile hat das Quartett eine gewisse Prominenz erworben – nicht zuletzt auch dank eines gelungenen Auftritts in der TV Sendung «Die Höhle der Löwen».

(Bilder: zVg) Das neon-Team mit Onlinehandel-Experte Roland Brack (Mitte) und Technologieunternehmerin Bettina Hein (ganz links) aus «Die Höhle der Löwen».

Der Basler Michael Noorlander wohnt in Zürich und ist beim Mobile Banking Start-Up «neon» für alles rund um Kunden und Kommunikation zuständig. Er hat in St. Gallen Internationale Beziehungen studiert. «Also habe ich nicht wirklich eine klassische Banking- oder Finance-Ausbildung gemacht», sagt er. Seine Mitgründer sind Jörg Sandrock, Simon Youssef und Julius Kirscheneder – Sandrock befasst sich vor allem mit Finanzierung und Produktentwicklung, Youssef mit Tech-Fragen und Kirscheneder mit Marketing.

Mehr Gestaltungsfreiheit und Freude an der Arbeit
Michael Noorlander war zuerst bei einer Grossbank und dann Projektleiter bei einer Strategieberatung. «Anfangs 2017 haben wir uns dazu entschieden, neon zu starten. Seit Sommer 2017 sind alle Vollzeit dabei: Weggefallen ist natürlich viel Sicherheit und eine gewisse Beständigkeit, dazugekommen aber deutlich mehr Gestaltungsfreiheit und Freude an der Arbeit.»

Das Quartett hat bei derselben Strategieberatung gearbeitet und verschiedene Projekte mit Grossbanken und anderen Firmen im Bereich Banking und Digitalisierung gemeinsam durchgeführt. Im Rahmen einer Projektarbeit haben sie gemerkt, dass im Bereich Mobile Banking in der Schweiz deutlich mehr gehen kann – in England, Deutschland und den Niederlanden gab es beispielsweise schon richtig coole Angebote. «Das hat uns angestachelt, es in der Schweiz zu versuchen. Simon und Jörg haben den ersten Schritt gemacht, kurz danach bin ich mit meiner Erfahrung bei Schweizer Banken dazu gestossen, und dann Julius als Marketing-Crack», so Noorlander.

Michael Noorlander mit seinen Mitgründern Jörg Sandrock, Simon Youssef und Julius Kirscheneder.

Bereits schon viel Popularität erworben
Mit ihrer Vision haben sie bereits schon viel Publizität erworben. Aber so richtig los ging es nach ihrem Auftritt in der bei Unternehmerinnen und Unternehmern populären TV-Sendung «Die Höhle der Löwen». Auch eine freche und für das Bankenwesen sehr ungewöhnliche PR- und Werbekampagne sorgte für Aufsehen.

Bis dahin aber musste viel geleistet werden. Noorlander: «Zwischen Entscheid und Gründung wägten wir vor allem die Machbarkeit ab. Macht unser Business Case Sinn, kriegen wir die benötigten Produktpartner ins Boot und finden wir Investoren? Als das Konzept stand und wir erstes Investoreninteresse hatten, gründeten wir. Das war im Sommer 2017.Bis zum ersten nutzbaren Produkt vergingen ungefähr vier Monate. Bis zu unserem Beta-Produkt, welches wir öffentlich anbieten konnten, weitere vier Monate. Das ist für ein Bankenangebot ziemlich schnell, darauf sind wir auch stolz! Und natürlich mussten wir da auch immer wieder Experten beiziehen, da hat unser persönliches Netzwerk geholfen.»

Als Firma ist neon in Zürich zuhause. Für Noorlander ist Basel aber sehr wichtig. Er ist im Neubad-Quartier geboren und aufgewachsen, hat von Kindergarten bis Matura am Gymnasium Münsterplatz alles in Basel gemacht und fühlt sich nach wie vor der Stadt sehr verbunden. «Meine Familie lebt hier. Auch mit dem FCB werde ich immer mitfiebern. Und nun würde es mir persönlich viel bedeuten, wenn wir in Basel eine ähnlich starke neon-Kundenbasis wie in Zürich aufbauen könnten.»

Was aber macht neon genau aus? «Mit neon erledigst du alles, was du im Alltag rund um Geld brauchst. Zahlen, Überweisen, Lohn empfangen. Speziell an uns ist, dass du neon nur über das Smartphone nutzt und keine Grundgebühren zahlst. Dazu kriegst du auch eine Mastercard, die alle Vorteile einer EC- und Kreditkarte vereint: weltweit abheben und bezahlen, sowohl an der Kasse wie auch online», erklärt Noorlander. Damit habe man ein Bedürfnis vieler Leute erkannt. Man spare viel Geld, vor allem im Ausland, betont er.

Neon kann man nur über das Smartphone nutzen.

«neon verdient hauptsächlich Geld mit Auslandgebühren auf Kartentransaktionen und mit dem Wechselkursaufschlag. Da wir eine viel niedrigere Kostenbasis als etablierte Anbieter haben, reicht uns das für ein positives Resultat. Längerfristig können wir uns auch Revenue-Sharing-Modelle durch Kooperationen mit Produktpartnern vorstellen.»

Datenschutz als Priorität
«Wir stehen momentan nur Privatpersonen zur Verfügung. Das macht insofern auch Sinn, als wir uns rein auf das Smartphone konzentrieren. Für Firmenkunden wäre das dann doch etwas eingeschränkt. Aber vielleicht könnte sich unsere Lösung ja für Einzelfirmen oder Vereine eignen. Mit solchen Ideen befassen wir uns laufend», sagt Noorlander. Natürlich ist auch Datenschutz ein Thema: Gerade für ein Start-Up im Banking-Bereich ist Datenschutz elementar. «Wir haben das von Anfang an sehr ernst genommen und hätten auch nie ein Produkt gelauncht, bei dem wir Datensicherheit nicht hätten garantieren können. Wir arbeiten mit der Hypothekarbank Lenzburg zusammen, einer Finma-regulierten 150 Jahre alten Bank. Das neon-Konto liegt bei ihr.» Das Team von neon setzt im Übrigen auf die erprobte Sicherheitsinfrastruktur der Hypothekarbank Lenzburg. «Und wir schützen das Geld mit Zwei-Faktor-Authentifizierung. Wir haben sogar im Rahmen eines sogenannten Penetration Tests mal Hackerangriffe simuliert. Diese Test-Hacker konnten nichts ausrichten, sie kamen nicht in die App rein.»

Roland Brack als «Löwe» im Boot
In der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen» ist neon auf eine Bewertung von zehn Millionen Franken gekommen. Eine Start-Up-Bewertung sei nie einfach zu erstellen, insbesonders weil die Einkünfte typischerweise noch zu unstetig sind. Oft beziehe man sich auf vergleichbare Start-Ups und deren Bewertungen. Noorlander: «Das haben auch wir gemacht. Der Rest ist Verhandlungssache mit den Investoren.»

Mit Roland Brack und brack.ch als Investor habe man gleich nach der TV-Sendung eine daydeal.ch-Aktion gemacht, die erfolgreich war und bei vielen sehr positiv angekommen sei. «Nun überlegen wir uns weitere Aktivitäten. Natürlich sind die Löwen im Hintergrund auch wichtige Diskussionspartner für unsere Weiterentwicklung. Es hat Spass gemacht, und die Löwen sind sehr umgänglich. Es ist schön, unser Produkt, von dem wir ja echt überzeugt sind, in so einem beliebten Fernsehformat mit nationaler Reichweite zeigen zu dürfen.»

Und was hält die Konkurrenz – also die traditionellen Banken – von neon? Noorlander: «Ich denke, wir sind auf dem Radar. Momentan haben wir noch nicht die Grösse, den etablierten Banken Marktanteile zu nehmen. Aber wir sind jeder Bank dankbar, die ihre Gebühren erhöht – unsere Türen sind für alle Unzufriedenen weit offen!», schmunzelt er. Mittelfristig wolle man der führende Mobile Banking-Anbieter der Schweiz werden, und angesichts der wachsenden Wichtigkeit dieses Felds bedeute das schon ein schönes Stück vom Kuchen. «Das werden die etablierten Banken sicher nicht gerne abgeben.»

JoW / Daniele Ciociola

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