GROSSENS ANTWORT

Manchmal staune ich schon. Ausgerechnet Teile des Gewerbes im Kanton Bern sagen Ja zu einer Initiative, die unserer Wirtschaft massiv schaden würde. Eine Initiative, die Fachkräfte verknappt, die Beziehungen zu Europa gefährdet – und damit genau jene trifft, die heute schon Mühe haben, genügend Personal zu finden.
Ich rede von der sogenannten 10-Millionen-Initiative. Oder wie ich sie nenne: der Chaos-Initiative.
Denn was auf den ersten Blick einfach klingt – «Bevölkerung begrenzen» – hätte in der Realität weitreichende Folgen: Wenn die Bevölkerung einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, droht die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU. Und damit steht plötzlich viel mehr auf dem Spiel als nur die Zuwanderung.
Das trifft das Berner Gewerbe direkt
Gerade im Kanton Bern sehe ich täglich, wie stark unsere KMU auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind: im Bau, in der Industrie, im Gesundheitswesen, im öffentlichen Verkehr. Viele Betriebe finden heute schon kaum genügend Leute. Und jetzt sollen wir ausgerechnet den Zugang zu Fachkräften zusätzlich einschränken?
Das passt nicht zusammen. Noch erstaunlicher finde ich, dass der Gewerbeverband Berner KMU diese Initiative unterstützt. Wer sich die Zusammensetzung anschaut, merkt schnell: Da dominieren politische Kräfte, die wenig mit der Realität vieler moderner KMU zu tun haben. Das ist nicht repräsentativ für das innovative, offene Berner Gewerbe und die Unternehmen, das ich kenne.
Selbst erfolgreiche Unternehmer aus der SVP sagen Nein
Es geht hier nicht um links oder rechts. Es geht um wirtschaftliche Vernunft. Darum lehnen auch profilierte Unternehmer aus dem bürgerlichen Lager die Initiative ab – etwa Bahnunternehmer und SVP-Altnationalrat Peter Spuhler. Er bringt es auf den Punkt: Wer Wachstum künstlich abwürgt und internationale Beziehungen aufs Spiel setzt, handelt nicht im Interesse der Wirtschaft.
Die falsche Antwort auf ein echtes Problem
Ja, die Schweiz wächst. Und ja, das stellt uns vor Herausforderungen: bei der Infrastruktur, beim Wohnraum, bei der Integration. Aber Abschottung ist nicht die Lösung. Im Gegenteil: Sie schafft neue Probleme – wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Die GLP setzt deshalb auf einen anderen Weg:
- Mehr Erwerbsanreize statt neue Verbote
z.B. durch Individualbesteuerung - Fachkräftepotenzial besser nutzen
etwa durch Arbeiten über das Rentenalter hinaus - Modernisierung der Vorsorge
mit flexibleren, planbaren Modellen (z.B. PK-Flatrate mit konstanten Sparsätzen)
Das Ziel ist klar: Weniger Druck durch gezielte Reformen – nicht durch Abschottung.
Der Berner Weg: offen, pragmatisch, zukunftsorientiert
Der Kanton Bern war immer stark, wenn er offen war: für Ideen, für Innovation, für Menschen. Unsere Unternehmen leben davon, dass sie gut ausgebildete Mitarbeitende finden – aus der Region, aber auch aus dem Ausland. Wer das aufs Spiel setzt, riskiert Wohlstand, Arbeitsplätze und Stabilität. Darum ist meine Antwort klar: Diese Initiative löst kein Problem. Sie schafft Chaos. Und genau deshalb braucht es ein klares Nein.
Ihre Meinung zu diesem Thema interessiert mich. Schreiben Sie per Mail an:
grossen@bernernachrichten.ch
Jürg Grossen ist seit 2011 Nationalrat und seit 2017 Präsident der GLP. Er ist Co-Geschäftsinhaber und VR der Firmen elektroplan Buchs und Grossen AG, ElektroLink AG und Smart Energy Link AG. Er präsidiert zudem den Fachverband Sonnenenergie Swissolar, den Elektromobilitätsverband Swiss eMobility und den Verein SmartGridready.
Jürg Grossen (56) ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und wohnt und arbeitet in Frutigen BE. Hobbys: Mountain-Bike, Skitouren, Fussball, Gitarre spielen, Reisen



